First Time Budapest.

Das erste Mal nach Budapest. Zwei Jahre lang haben wir davon gesprochen, letztes Wochenende sind wir endlich gefahren.

Im grausten Morgengrauen ging es für einen guten Freund und mich absolut unvorbereitet, aber total entspannt mit dem Westbus gen Osten. Um 10 Uhr angekommen, erlebten wir gleich, was es heißt, mit der ältesten elektrischen Ubahn der Welt zu fahren: Sie hatte eine Störung. Wir fuhren von einer Station zur anderen hin und retour, ohne nur ein Wort der Durchsagen zu verstehen, ohne zu wissen, was los ist.  Mit ein bisschen Glück und mehr Hausverstand meines lieben Mitreisenden schafften wir es schließlich doch zu Ferenciek tere, wo wir unser Youth Hostel finden sollten (was weitere 20 Minuten brauchte, da es total versteckt in einem Innenhof lag).

Eingang zum Youth Hostel

Eingang zum Youth Hostel

Eingecheckt und mit Stadtplan bewaffnet ging es schließlich in die Innenstadt (also eigentlich nur vor die Tür). Ohne ein Ziel vor Augen promenierten wir eine Fußgängerzone entlang und standen plötzlich vor einer riesigen Markthalle. Drinnen schlugen uns berauschende Gerüche von Gewürzen entgegen, Berge an Obst und Gemüse häuften sich in schlichten Holzkisten und lange Salamis hingen von den Decken der Stände herunter. Es war unglaublich, was für ein Treiben auf diesem Markt herrschte. Im oberen Geschoss verkauften Magyaren traditionelles Handwerk, folkloristische Tischdecken und ähnliche Mitbringsel, die für mich ein bisschen zu sehr nach Kitsch schrien.

Große Markthalle

Große Markthalle

Nachdem wir uns ein kleines Frühstück gegönnt hatten – an jeder Ecke findet man kleine Bäckereien, die alle auf Blätterteig spezialisiert zu sein scheinen – ging es weiter auf die Donaupromenade. Hier fingen zahlreiche aus Eisen gegossene Schuhe, die an der Donau aufgereiht waren, unser Interesse. Es lagen immer wieder Blumen oder kleine Briefe zwischen den einzelnen Schuhpaaren, weshalb wir ein Holocaust-Mahnmal vermuteten. Im Laufe der Reise haben wir immer wieder solche Mahnmale und Erinnerungsstätten gefunden, wobei es spannend war, wieviele Briefe, Blumen und Kerzen beigelegt waren. Ich möchte hier unbedingt einen Buchtipp zum Thema Holocaust und Budapest los werden, nämlich Imre Kertesz‘ Roman eines Schicksallosen.

Mahnmal am Donauufer

Mahnmal am Donauufer

Von der Donaupromenade ging es weiter zum Parlament, bei dem wir unser erstes frisch getrautes Hochzeitspaar beobachten konnten (es folgten noch einige mehr – das Prädikat kitschig traf immer zu :D). Nach einer kurzen Kaffeepause beschlossen wir schließlich, einen Blick von oben zu wagen und die 297 Stufen der St. Stephansbasilika zu erklimmen. Von oben wurde unser erster Eindruck von Budapest bestätigt: Eine große Stadt, die mit ihren breiten Straßen und hohen Häusern etwas Imperiales hatte, mich aber mehr an Paris denn an Wien erinnerte.

Nachdem wir durch die Einkaufsmeile gelaufen waren, wollten wir den Sightseeing-Tag mit einem Ausflug ins Stadtwäldchen und zur Burg Vajdahunyad beenden. Wir hatten zwar einige Ubahntickets gekauft, wollten aber trotzdem zu Fuß gehen, um noch einen näheren Eindruck von den ausgesprochen schönen Häusern und Villen, die die Straße säumten, zu erhalten. Also gingen wir die Andrássy Straße, zurecht als Champs Élysées Budapests bekannt, bis zum Heldenplatz entlang und landeten inmitten eines Skate-Festivals. Alle jungen Leute, die wir zuerst in der Innenstadt erfolglos gesucht hatten, waren hier versammelt. Es gab ein Konzert, FMX-Shows und eine mega Stimmung.

Disneyland im Stadtwäldchen

Disneyland im Stadtwäldchen

Nach einem Spaziergang durch den Schlosspark, gingen wir schon ziemlich erschöpft zurück in die Innenstadt und bezogen unser Zimmer. Unglaublich, wie schön das Hostel war! Wir wohnten in einer Altbauwohnung mit großer Küche, schönem Bad und einem sehr geräumigen 5-Bett-Zimmer. Das alles um nur 15 Euro pro Nacht, ich war wirklich positiv überrascht.

Nachdem die Handyakkus geladen waren und wir in der Zwischenzeit ziemlich Hunger bekommen hatten, beschlossen wir, in der Fußgängerzone hinter dem Parlament ein Lokal zu suchen. Als wir dort zu Mittag herumspazierten, war uns ein ziemlich hipper Italiener ins Auge gesprungen, der für Studenten aber unleistbar aussah. Jedoch, und das macht Budapest gleich noch viel mehr eine Reise wert, hatten wir tagsüber schon entdeckt, dass die Lebensmittel- und Lokalpreise mindestens um die Hälfte günstiger waren als wir es aus Wien kannten. Deswegen war die Furcht vor zu hohen Preisen schnell vergessen und wir fanden rasch einen hübschen Platz in dem Lokal. Bestellt hatten wir Wein, einen Kräutercocktail und zwei unglaublich leckere Pizzen (für mich die Spezialität des Hauses mit geräucherter Entenbrust). Es war richtig stimmig und ein schöner Ausklang des langen Sightseeing-Tages.

TG Italiano

TG Italiano

Im Anschluss wollten wir unbedingt noch eine coole studentische Bar entdecken, waren dafür aber in einem zu touristischen Viertel. Also ließen wir uns einfach von den Strömen junger Leute mitziehen und landeten schnell in einer Gasse voller Bars, Menschen und lauter Musik. Unsere Wahl viel auf ein ziemlich freakig aussehendes kleines Lokal, die Popbar. Beide sehr angetan von dem süßen Barkeeper verfielen wir dem Dry Martini (der mit 490 Forint nicht einmal zwei Euro gekostet hat). Eine Nacht voll vermeintlicher Hooligans und tanzender, filmender Ungarn folgte – ganz unter dem Motto „Keep it classy!“. Ist mir nicht ganz gelungen, Memo an mich: don’t drink and text!

Pop Bar

Pop Bar

Nach einer sehr kurzen Nacht – was unter anderem an unserem brasilianischen Mitbewohner Eduardo und seinen nicht ganz so ruhigen Schlafgewohnheiten lag – war der nächste Tag von ziemlich tiefen Augenringen geprägt. Trotzdem wollten wir uns noch den Stadtteil über der Donau, Buda, ansehen und machten eine kleine Wanderung auf die Zitadelle hinauf. Von oben hatte man einen atemberaubenden Blick über die Stadt, jedoch wimmelte es auch so von Touristen, dass wir weitergingen auf die Burg Budas. Nach einem beachtlichen Fußmarsch in der hügeligen Gegend kamen wir schließlich bei etwas, das wie eine Burg aussah an und dachten, unser Ziel erreicht zu haben. Falsch gedacht – das war nicht die Burg, sondern Matthiaskirche und Fischerbastei. Jedoch kamen wir erst, als wir wieder in Pest waren, auf diesen Irrtum drauf.

Den restlichen Nachmittag bis zur Abreise verbrachten wir in der Innenstadt und holten ein bisschen Schlaf nach. Wir wurden auch unverhoffte Gäste einer Modenschau, bei der ein ungarischer Sänger auftrat.

Dieser Kurztrip nach Budapest war unglaublich schön, lustig, manchmal auch ein bisschen verrückt und hat in mir richtig die Reiselust geweckt. Ich kann Euch wirklich empfehlen, diese herrliche Stadt zu besichtigen und werde bestimmt selbst wiederkehren (allein, um mir dann die Burg anzusehen).

Zum Schluss noch ein paar Must-Dos:

  • Geht unbedingt auf  die St. Stephansbasilika hinauf, der Ausblick von oben ist atemberaubend!
  • Sich am Samstag durch die Delikatessen in der großen Markthalle zu kosten, ist eine coole Alternative zu Brunch/Frühstück.
  • Für alle mit kleinem Budget empfehle ich dieses Hostel: Maverick Hostel
  • Alle, die gerne gut und chic italienisch essen, sollten hier vorbeischauen: TG Italiano
  • Spart Euch hohe Ausgaben für die Öffis, es ist alles fußläufig erreichbar! (Eine Fahrt in der Straßenbahn entlang der Donau und eine Fahrt in der Metro würde ich trotzdem wagen 😉
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