Tage eines Sommers | 4

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Ich habe mich richtig gut eingelebt in Guadalajara, liebe die Sonne, das Wetter (es regnet schon viel weniger) und die stets gut gelaunten außer beim Autofahren Menschen. Einzig das Spazierengehen in der Innenstadt Wiens geht mir von Zeit zu Zeit ab. Von diesem Fehlen geheilt hat mich aber das wunderschöne Viertel Tlaquepaque, einstiger Vorort Guadalajaras, mittlerweile aber Dorf in der Stadt. Tlaquepaque ist ein Künstlerviertel, in dem sich in bunten Lagerhallen, aber auch historischen Vierkantbauten viele, absolut unterschiedliche Galerien und Kunsthandwerkgeschäfte eingenistet haben.

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La Musa da Sorrento

Neben den herrlich dekorierten Auslagen, den kleinen, verwinkelten Läden, in denen sich wahre Schätze finden lassen und den vielen hippen Lokalen, findet man immer wieder auch Innenhöfe, in denen Aguas Frescas, das sind verschiedene Fruchtsäfte mit Chia, Limone, Alfalfa und anderen köstlichen Superfoods, kleine traditionelle Snacks wie Pan de Elote (süßes Maisbrot, das ein bisschen an Kokos- oder Bananenbrot erinnert und wirklich köstlich ist) verkauft werden, Musiker kleine Improvisationen darbieten oder Künstler ihre Werke ausstellen. Das Viertel strotzt nur so vor Leben, Kunst und Charme, weshalb ich mich an dem dort verbrachten Sonntagnachmittag unglaublich zuhause gefühlt habe.

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Einige Straßenkünstler am Hauptplatz

Es hat etwas vom Szeneleben Berlins oder Wiens, ist dabei aber gleichzeitig viel bunter, wärmer und doch irgendwie anders, sodass es eine ganz eigene mexikanisch-feurigen Note mit sich bringt. Trotzdem trifft man immer wieder auch auf Reminisenzen an Frankreich, die aus einer gewissen Frankophilie und auch gemeinsamen Geschichte Mexikos mündet. Ein Beispiel dafür ist die Galerie Cempasúchil, die ganz in weiß gehalten und über und über mit Lavendelsträußen dekoriert ist.

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Galeria Campesúchil

Hier findet sich alles über Möbel, Accessoires, Taschen, Pflegeprodukte und handgemachte Mode im französischen Landhausstil. Ein riesiger Glücksgriff war, als ich einen der wunderbaren weißen Holzschränke geöffnet habe und einen herrlich gemusterten Stoff herauszog. Dabei handelte es sich um einen wunderschönen, beidseitig tragbaren, blauen Seidenrock, der aus recycelten Stoffen von einer dort arbeitenden Modestudentin angefertigt wurde. Ich habe mich in den Rock verliebt und habe mich wie die Hüterin eines Schatzes gefühlt, als ich mit ihm in der Tasche nachhause gehen durfte.

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Ein Hauch von Frankreich in Mexiko

Ein Restaurant, das zwar nicht direkt in Tlaquepaque liegt, aber mindestens genauso künstlerisch ist, ist El Hueso, in dem C und ich ziemlich am Anfang des Sommers waren. Dieses In-Lokal ist ebenso ganz in weiß gehalten, hat einen sehr reduzierten Stil und lebt vom Einsatz von Licht und der auf den ersten Blick beinahe unsichtbaren Wanddekoration: Die Wände sind nämlich über und über mit strahlend weißen Knochen behangen, was den Namen des Restaurants erklärt.

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Für genauere Aufnahmen von der tollen Wanddeko schaut doch mal auf der oben verlinkten Homepage nach! Auch genial ist der einzige lange, abgestufte Tisch, der an das französische Le Bol oder das Motto am Fluss in Wien erinnert. Einen weiteren, weitaus kleineren Tisch gibt es dann auch in der Verlängerung nach draußen, der besonders abends eine lauige Atmosphäre bietet. Im Obergeschoss finden sich darüber hinaus noch verwinkelte Zimmer, in denen weitere, kleinere Tische stehen, so dass man sich in seinem Freundeskreis auch zurückziehen kann und insgesamt eine heimelige Wohnzimmerstimmung hat.

El Hueso

El Hueso

In diesem Restaurant haben C und ich so gut wie nirgends anders gegessen. Viel aufregender als der Geschmack der wirklich exzellent ist war für mich aber die Art und Weise wie die Speisen angerichtet wurden: Zurückhaltende Teller, die dafür mit kleinen, frischen Blüten beschmückt wurden, haben dem Knochenrestaurant eine sehr verspielte Note gegeben.

Margarita de Pitahaya

Margarita de Pitahaya

Als Aperitiv gönnten wir uns ganz in mexikanischer Manier einen Margarita de Pitahaya, darauf folgte eine Marea Negra, was eine zauberhafte Bezeichnung für Tintenfischsalat in Tinte ist, als Hauptgang schließlich Ente und als Nachspeise ein herrlicher Mangocheesecake. Dabei wird alles immer in die Tischmitte (natürlich auf unterschiedlicher Höhe) gestellt, sodass Freunde untereinander teilen und sich durch mehrere Speisen durch probieren können bei der Größe der Portionen wäre das anders gar nicht denkbar!

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Marea Negra

Das Konzept dieses Lokals, in dem jedes Detail zurückhaltend schön und stylisch ist, hat mir wirklich gut gefallen und in Gedanken sehe ich mich da schon mit meiner lieben Barbara von Gretchens Fragen zurückkehren.

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