Eataly [Städtetrip Bologna]

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2015 war für mich bisher ein Jahr voller Reisen – manche kürzer, andere länger. Vor gut drei Wochen hat mich das Glück und eine sehr liebe Einladung meines Onkels schließlich nach Bologna gebracht, wo wir zu dritt den Geburtstag meines Bruders nachfeiern wollten.

Ganz kurz gesagt, ist Italien berühmt für Pizza, Pasta, Mafia – und Bologna das Epizentrum der ersteren zwei. Die Stadt wird auch La Grassa, die Fette, genannt und ist sozusagen Küche und Esszimmer Italiens. Wie wir die drei Tage in der Fetten also verbracht haben? Meist mit vollen Mündern. Immer mit vollen Bäuchen. Und manchmal, oh foodbaby, auch mit offenen Hosen. Ästhetisch war das nicht mehr.

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Umso malerischer hat sich dafür die Stadt Bolognas gezeigt, die pulsierende, hippe Studentenstadt in unglaublich imposanter, mittelalterlicher Verkleidung ist. Das ganze Stadtbild ist geprägt von Terracottabauten und dazugehörigen Arkaden, die im Mittelalter zur Bauvorschrift wurden, weshalb man heute kaum unter freiem Himmel durch die engen Gassen wandelt.

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Bologna lebt von der historischen Architektur und ihrer berühmten Universität und lockt so zum einen Touristen, zum anderen Studenten in ihr großes Zentrum. Und dieses bietet zig Möglichkeiten, sich dem Müßiggang, dem Laissez-faire, dem dolce far niente, hinzugeben. Kleine Cafés, Buchhandlungen, Antiquitätenverkäufer und Modeboutiquen drängen sich unter den Arkaden und reizen mit bunten Auslagen, Namen berühmter Designer, aber ebenso lokalem Handwerk. Die ganze Stadt ist geprägt von einem Tête-à-Tête von Geschichte und Moderne, das sich in einem Verschwimmen von Traditionellem und Neuem zeigt: In der Mode, in der Kunst, ebenso aber auch im Essen. So kann man in einem Raritätenladen nicht nur alte Bücher und Handschriften bestaunen, sondern sich dort genauso auf einen Espresso treffen und gemütlich die neuesten Trends der modemutigen Italienerinnen bestaunen.

Es gibt auch ein paar Sightseeing-Musts, an denen niemand in Bologna vorbeikommt, wie die Piazza Nettuno und die Piazza Maggiore, die das Herz der Innenstadt bilden. Vom Torre degli Asinelli hat man außerdem eine atemberaubenden Aussicht auf die ganze Landschaft, weshalb es sich lohnt, die fast 500 Stufen zu erklimmen.

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Piazza Nettuno

Der Blick von oben lässt einen nur erahnen, wie groß das mittelalterliche Zentrum Bolognas wirklich ist. Ein bisschen schmunzeln mussten wir übrigens darüber, dass Italien anscheinend eine Vorliebe zu schiefen Türmen hegt.

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Im Caffè Sette Chiese am Piazza Santo Stefano sollte man unbedingt einmal frühstücken, die süßen und pikanten Cornettos (Croissants) lassen keine Wünsche offen! Mit ein bisschen Glück spielt auch einer der vielen Straßenmusikanten in der Nähe und lässt den Wind vereinzelte Töne durch die Arkaden tragen. Fühlt sich fast wie eine Zeitreise in vergangene Epochen an.

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Weiteres kulinarisches Highlight Bolognas ist der Mercato di Mezzo, eine kleine Passage, in der Einheimische viele verschiedene lokale Speisen und Getränke anbieten. Neben handgemachter Pasta in allen Formen und Geschmäckern gibt es traditionelle Süßspeisen, verschiedene Bio-Brote, Fisch, Fleisch, einen Stand mit Obstsalaten und anderen, figurfreundlicheren Gerichten und natürlich hausgemachtes Eis. Außerdem gibt es eine sehr hübsche Enoteca, in der man sich bei lauschiger Musik einen Aperol Spritz gönnen kann.

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Das beste Eis der Stadt findet man aber bei Venchi, der etwa fünf Minuten entfernt, ebenso in einer schmalen Gasse der Innenstadt liegt. Venchi ist ein Traditionschocolatier seit Beginn des 19. Jahrhunderts und hat Geschäfte in ganz Italien. Trotzdem fühlt sich ein Besuch in seinem hübschen Laden wie ein Unikat an, denn die Luft ist von einem leicht süßlich-süffisanten Geruch durchsetzt, die kleinen Pralinen wie Kunstwerke in den Auslagen aufgetürmt und das Eis mit seinen seltenen Sorten macht einem die Wahl nur schwer. So viel Liebe zum Detail macht einen Besuch auch für Nichtnaschkatzen zum Erlebnis – und bekehrt die eine oder andere eventuell. Wer also das Glück hat, dort hinzukommen, sollte unbedingt das Aztekeneis, ein sehr dunkles Schokoladeneis, probieren!

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Modena

Wer ein bisschen mehr machen möchte, als sich den ganzen Tag nur den Bauch vollzuschlagen, dem sei eine Zugfahrt in das knapp 30 Minuten entfernte Modena zu empfehlen. Noch eine wunderschöne mittelalterliche Stadt, die Bologna zwar ähnelt und trotzdem ganz andere Dinge zu sehen bietet. Allen voran kann man dort den eindrucksvollen Palazzo Ducale besichtigen, der den Anfang der Altstadt macht.

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Der Palazzo Ducale

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Unter den Herren ist Modena aber aus einem ganz anderen Grund bekannt und als Ausflugsziel beliebt. Enzo Ferrari, der Gründer des gleichnamigen Autoimperiums, stammt nämlich aus eben dieser Stadt und sein Geburtshaus sowie ein sehr spacig aussehendes Ferrari-Museum stehen für Besucher offen.

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Eines habe ich an dem Wochenende gelernt: La Dolce Vita ist in Italien nicht nur eine Phrase, sondern Lebensstil. Die Italiener genießen. Ohne wenn und aber. Und bringen so viel mehr Leichtigkeit in ihr Leben. Was ich mir aus Italien sonst noch mitnehme? Wahrscheinlich 2 Kilo mehr, die mir aber egal sind, denn:

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Und das ist wohl das alleritalienischste, was man machen kann.

Zum Schluss empfehlenswerte Adressen:

  • Pizzeria Nicola’s: Mitten im Zentrum, aber auf einem etwas abgelegeneren Platz, sind wir auf diese Pizzeria gestoßen. Von außen sieht sie nicht besonders aus, jedoch haben uns die ganzen Einheimischen, die dort aßen, angelockt. Zum Glück! Dort gibt es Pizza aus Kamutteig, die nicht nur sensationell gut schmeckt, sondern auch für alle Ernährungsbewussteren eine tolle Alternative zur herkömmlichen Pizza ist.
  • Caffè Sette Chiese: Hier gibt es die besten Cornettos der Stadt (probiert das mit Roastbeef! und natürlich eins mit Nutella), außerdem liegt das Café direkt an einer außergewöhnlichen Kirche, nämlich Le Sette Chiese, eine Kirche, die aus 7 einzelnen zusammengewachsen ist.
  • Gelateria Venchi: Selbst Schuld, wer sich das entgehen lässt!
  • Mercato di Mezzo: Unbedingt mal vorbeischauen! Einfach durchgehen, sich Gusto machen lassen und mit Hunger wiederkommen.
  • Residence Vita Studios & Apartments: Wir haben mitten im Zentrum in einem ausgesprochen schönen und ruhigen Apartment gewohnt. Die Vermieter waren extrem freundlich und hilfsbereit, haben sich uns sehr lieb angenommen. Außerdem hat man von ihren Apartments Zutritt auf eine wunderschöne, große Gemeinschaftsterrasse, die einen gerade bei Sonnenuntergang nicht mehr gehen lässt. Wer etwas für 2 bis 3 Personen sucht, ist hier auf jeden Fall richtig!

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