Ex Somnis.

Ex Somnis.

Hell, sonnendurchflutet. Ein Glashaus an der Klippe. Riesige Fensterwände, weiß umrahmt, mit Blick aufs blaue, wilde Meer. Die gleißende Sonne schmeichelt der Landschaft und versetzt alles in funkelndes Leuchten. Es ist warm, die Luft riecht nach Zypressen und trockener Erde. Orangenbäume und Lavendelstauden strecken sich gen Himmel und rufen laut „Arkadien!“. Ich trage weiß, so wie alle. Und obwohl wir viele sind, fühlt es sich doch einsam an. Eine blonde, junge Frau, nicht weit vor mir, fällt in mein Visier. Sie ist schön, hat helle Haut und feine Glieder. Gezeichnet vom Glück, ist sie sich dessen nicht bewusst. Neben ihr eine unwesentlich ältere, ebenso blonde Frau. Ihre Schönheit steht jener der Freundin in nichts nach, doch scheint ihr Wesen getrübt. Sie neigt sich zur andern wie ein gezähmter Wolf zu seinem Herrn. Wild, aber nicht frei.

Ich bewege mich auf die beiden zu. Unsicher und zaghaft. Es liegt mir viel daran, einen guten Eindruck zu machen. Schließlich ist die eine seine Schwester. Und die andre ihre zweite Meinung. Zwei ungleiche Glieder einer Kette. Ich setze mich und versuche, entspannt zu wirken. Wir unterhalten uns über Belangloses, Genuss, Verdruss, und wahren jeden Anstand. Es ist jene Art von Smalltalk, die Bemühte führen, der aber gleichwohl unbefriedigend bleibt. Gar langweilig. Aber der Wille zählt.

Die Sonne blendet. Das Weiß unserer Kleider strahlt, es sticht beinahe, so hell ist es. Im Hintergrund stets das Rauschen des Meeres. Die Klippen wenige Meter entfernt, der drohende Abgrund keine Gefahr.

Nächste Szene. Plötzlich an der Klippe. Neben mir ein bester Freund. Vor uns zwei lange, dicke Seile, die im Nichts baumeln. Weit entfernt ist eine Schaukel zu erahnen, die sich ungestüm im Wind bewegt. Zephyr weht durch mein Haar, fährt mir ins Gesicht und wispert „Jetzt oder nie!“. Fremdgesteuert springe ich auf die Schaukel. Lande. Finde zu mir. Bekomme Panik. Bewege mich auf die Klippe zu und rette mich wieder an Land. Jetzt macht er es nach und schaukelt freudig über dem Abgrund. Schwerelos. Immer noch gleißendes Sonnenlicht. Das Gefühl von unendlicher Freiheit. Plötzlich bin ich er. Ich fliege. Und bin am Rand zurückgeblieben. Ein dumpfes Gefühl von Angst.

Schluss. Er, der, für den ich da bin, ist beschäftigt. Er spricht, lacht, ist umgeben von Licht. Nicht greifbar, nicht bei mir, spüre ich seine Präsenz dennoch unaufhörlich. Als wären wir Eins, welches getrennt als Zwei wieder Eins wird. Unsere Blicke treffen sich. Sie trennen sich. Wir bleiben diskret. Und blenden.

 

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