saudade. Von Traum zu Traum

Ich schlafe lange und träume täglich. Das Leben hier ist hell, sanft und irgendwie lautlos. Als würde man alles aus der Ferne durch eine meterdicke Wasserwand erahnen – nicht richtig sehen, nicht richtig hören. Unterhalb der Oberfläche sein und die verschwommenen Konturen einer verzauberten Welt über sich. Aber ohne unten und oben, sondern auf der gleichen Ebene mit diesem magischen Leben. Fast wie ein Schleier, der sich über mich und das ganze Land erstreckt. Manchen mag das Unbehagen bereiten, aber für mich ist es vollkommen, beruhigend und schön. Beinahe scheint es, als würde ich morgens gar nicht erwachen, sondern aufstehen und weiterträumen. Mich mechanisch duschen, anziehen, zum Pier hinunterspazieren und in den Zug steigen. Nicht, weil ich meinem Körper so gebiete, sondern, weil er immer noch der Regie des Traumes unterliegt. Und dieser lässt mich dann im Zug sitzend, die Küste entlang fahrend meinen Blick sehnsüchtig im Meer verlieren. Ich sehne mich und weiß gar nicht, wonach. Angesteckt von dem Lebensgefühl, das ein ganzes Volk eint. Saudade. Von Traum zu Traum.

 

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